Vom „alleine sein“ und „einsam sein“

Ich weiß noch, dass ich irgendwann den Unterschied zwischen „alleine sein“ und „einsam sein“ lernen musste.
Und ich glaube, die beiden Worte sind für viele Leute nicht so klar auseinander zu halten – und das, obwohl die beiden Worte ganz unterschiedliches beschreiben.

alleine

Alleine zu sein, bedeutet, dass man gerade nicht mit anderen ist.
Du hast einen Obstkorb. Du nimmst die vorletzte Banane heraus. Damit ist die letzte Banane alleine.
Alleine zu sein ist neutral. Wir sind ständig mal alleine.
Während ich diesen Text schreibe, sitze ich alleine in meinem Zimmer.
Alleine sein ist manchmal schade – wenn du Lust auf Gemeinschaft hättest.
Manchmal super wichtig – z. B. wenn du was erledigt bekommen willst oder wenn du dir über Dinge klar werden willst und jeweils andere Leute dich ablenken würden.
Häufig angenehm – z. B. wenn ich auf der Toilette hocke.
Und meistens irgendwo dazwischen.

einsam

Einsam zu sein ist ganz anders.
Einsam zu sein bedeutet für mich Unruhe, ein zu wenig, ein inneres Dunkel oder ein mich in drei Richtungen gezogen fühlen und ganz genau zu spüren, dass ich nicht weiß wohin.

Ich fühle mich nicht gerne einsam. Ich hab mich noch nicht mit den Gefühlen der Einsamkeit – Traurigkeit, Angst, oft auch Wut – angefreundet.
Ich stelle mir vor, dass ich auch eine Ruhe in Einsamkeit finden kann. Aber da bin ich noch nicht.

Wenn ich mich einsam fühle, bin ich oft auch alleine.
Menschen um mich rum lenken mich oft gut genug ab, dass ich entweder die Einsamkeit in mir nicht mehr fühle – oder ich fühle mich tatsächlich nicht mehr einsam.
Aber es ist sehr wohl möglich sich einsam zu fühlen, ohne alleine zu sein – und das sind oft die schlimmsten Zeiten.
In mitten von Menschen – vielleicht sogar mit Freund*innen – und trotzdem fühlt es sich in der Brust schwer an, die Sinne nach innen gerichtet, alles ein bisschen dumpfer als üblich, und irgendwie hat alles nichts davon mit mir zu tun.

Ich bin noch dabei mehr darüber heraus zu finden, wann ich mich einsam fühle und wodurch ich mich nicht mehr einsam fühle.
Ich glaube, dass es für mich dabei um Verbindung – oder eben fehlende Verbindung geht.
Verbindung zu mir, zu anderen, zum Leben.

Wenn ich in guten Kontakt zu mir selbst bin, kann ich sehr lange alleine sein und werde mich kein bisschen einsam fühlen.
Wenn ich unter Leuten bin, und dabei keine wirkliche Verbindung, keine Begegnung, kein gegenseitiges Gesehen werden da ist, wenn mein Erleben nichts mit mir zu tun hat oder ich die Menschen um mich rum nicht zu erreichen schaffen – dann kann ich auch in einer Gruppe sehr einsam sein.

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Sebastian ist Forscher und Suchender. Hier schreibt er, was er auf seiner Reise durch diese Leben schon alles entdeckt hat. Manchmal sind es gute Erkenntnisse, manchmal nur spannende Fragen. Auf dem Weg zu mehr Klarheit.

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