Über Gefühle

Unsere moderne Kultur ist noch besonders hilfreich darin einen natürlichen und das Leben unterstützendes Verhältnis zu den eigenen Gefühlen oder denen von anderen zu entwickeln.

Die vier Hauptgefühle sind Angst, Wut, Trauer und Freude (manchmal wird diese Liste um Scham, Ekel, Liebe erweitert).

Wenn du weiblich sozialisiert bist, kann es sehr gut sein, dass bei dir Wut übermäßig unterdrückt ist. Wenn du nie Wut spürst aber oft traurig bist, solltest du dich in Wut üben. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist mindestens ein Drittel deiner Traurigkeit eigentlich Wut. Weil die beigebracht wurde, dass Mädchen nicht wehrhaft sein dürfen, artig sein müssen und hübsch abzusehen sein sollten, wurde die der Zugang zur Wut genommen.
Wut ist das Gefühl das hilft Entscheidungen zu fällen, Grenzen zu setzen, Dinge voran zu treiben, das Leben zu gestalten. Das sind ur-weibliche Eigenschaften die aber ohne gesunden Zugang zur eigenen Wut schwer gelebt werden können.

Falls du klassisch männlich sozialisiert wurdest, wurde die vermutlich oft gesagt, dass Jungs nicht weinen, Indianer keinen Schmerz kennen, du „ein Mann“ sein sollst und allerlei andere sadistische Sprüche.
Wenn du selten bis nie traurig bist, schon lange nicht mehr Geweint hast oder nur bei sehr tiefen Schicksalsschlägen mal weinst.
Wenn du oft wütend bist, und dich wenig verbunden mit anderen Menschen fühlst, dann ist das ein gutes Zeichen dafür, dass die der Zugang zur Trauer genommen wurde.
Trauer ist das Gefühl, dass hilft nach innen zu schauen, sich in sich zu erden, sich mit anderen Menschen zu verbinden und mitfühlend zu sein.
Empathie, Fremd- und Selbst-Fürsorge, eine innere Harmonie und Hilfsbereitschaft sind ur-männliche Qualitäten die aber nur mit einem guten Zugang zur Traurigkeit so wirklich präsent sein können.

Unabhängig von deiner Sozialisierung ist es wahrscheinlich, dass deine Kapazitäten deine eigenen Gefühle zu spüren und mit ihnen im hilfreichen Austausch zu sein eher schwach ist.
So geht es mir. Und je mehr ich mir wieder Zugang zu meinen Gefühlen erlaube und hart erarbeite, desto wichtiger fühlen sich meine Gefühle an, desto mehr Lust hab ich sie voll zu spüren.
Mich mit dem Feuer der Wut zu verteidigen und den Weg zu leichten.
Mich vom Wasser der Traurigkeit sanft umspülen und wieder in einen klaren Zustand bringen zu lassen.
Mich auf die sichere Erde der Angst zu stellen und von dort aus unbeschwert Luftsprünge in der Freude zu machen.

Viele unserer ur-menschlichen Fähigkeiten können nur voll entfaltet werden, wenn wir die volle Unterstützung unserer Gefühle zulassen können.

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Sebastian ist Forscher und Suchender. Hier schreibt er, was er auf seiner Reise durch diese Leben schon alles entdeckt hat. Manchmal sind es gute Erkenntnisse, manchmal nur spannende Fragen. Auf dem Weg zu mehr Klarheit.

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