Ein Raum der Akzeptanz

Ich merke, dass in mir noch viele Gedanken, Bedürfnisse, Begierden, Talente, Fantastereien, Albernheiten, Abgründe, Ängste … schlummern, die ich vor der Welt verstecke.
Ich stelle mir vor, dass es den meisten Menschen so geht. Dass da was in ihnen ist, dass sie sich nicht trauen zu zeigen.

Ich habe Angst davor, dass ich abgelehnt werden könnte, wenn ich mich damit zeige. Und ich habe Angst davor, dass ich mich selbst (noch mehr) ablehnen könnte, wenn mir andere Menschen signalisieren, dass dieses Etwas, dass ich da zeige, abgelehnt werden sollte.

Im Umkehrschluss glaube ich, dass es eines der größten Geschenke sein kann, einen Raum zu haben, in dem sich offen gezeigt werden darf, ohne Ängste haben zu müssen.
Ein sozialer Rahmen, in dem sich zeigen darf, was da noch im Dunklen schlummert.
Das kann ein gute Freundschaft sein, ein Freundeskreis, ein Seminar, eine Partnerschaft, eine therapeutische Beziehung, eine spontane Bekanntschaft, ein gutes Gespräch …

Mein Blog und meine Facebook-Seite sind für mich manchmal auch ein Rahmen, in dem ich mal wieder kleine Dinge aus dem Dunklen hole und sie herzeige – oft darf ich erleben, dass die Dinge im Licht stehen dürfen.
Menschen zeigen sich verbunden, lassen manchmal selbst ähnliche Dinge aus ihrer Dunkelheit.

Ich finde es super schön, wenn mehr und mehr vom eigenen Selbst im Licht sein darf und ich glaube, dass ist auch ein Teil der Mission, die ich mit diesem Blog verfolge. Mir selbst erlauben, mehr im Licht zu sein – und anderen die Angst davor zu nehmen ins Licht zu treten.

Dazu eine schöne Anekdote:
Bei einem Seminar, dass ich besucht habe, sollten die Teilnehmer_innen überlegen welches Etwas, dass sie im Dunkeln halten, ihnen am meisten Angst macht. Und wir wurden dazu motiviert das aus zu sprechen.
Ein Teilnehmer hat mit großem Energieaufwand und krasser Überwindung mitgeteilt, dass er es genießt sich am Anus zu berühren und seinen Analbereich zu erforschen.
Als er davon erzählt hat, war es ganz deutlich sichtbar, wie sehr er sich dafür verurteilt und wie groß seine Angst war, dafür abgelehnt zu werden.
… und ich konnte nur grinsen, als er davon erzählt hat.
Glücklicherweise hat er mich gewählt um einen Reality-Check ein zu holen – also sich Feedback zu holen, ob wir ihn wirklich alle dafür ablehnen und verurteilen oder wie wir jetzt über ihn denken.
Und ich konnte ihm grinsend davon erzählen, dass ich meinen Analbereich auch voll spannend finde und als ich dann noch oben drauf erzählt habe, dass ich darüber auch schon öfter mit Freund_innen gesprochen habe und Leute motiviere diese Körperstelle auch zu erforschen, lief bei ihm alles drunter und drüber.
Statt Ablehnung und Verurteilung hat er unerwarteterweise Akzeptanz und Mitfreude entgegen gebracht bekommen. Bei ihm war große Erleichterung, ein bisschen Verblüffung, ganz viel Freude und Dankbarkeit zu spüren.

„… sorry – du hast dich voll umsonst für einen Freak gehalten.“

Lasst uns mehr Räume der Akzeptanz schaffen in denen Dinge aus dem Dunkeln hervor geholt werden können. Während sie uns im Dunkeln Angst machen, sind sie im Licht vielleicht Anlass zur Freude.

Was wartet bei dir alles im Dunkeln darauf, gesehen zu werden?

Mit deinen Freund_innen teilen?

Sebastian

Sebastian ist Forscher und Suchender. Hier schreibt er, was er auf seiner Reise durch diese Leben schon alles entdeckt hat. Manchmal sind es gute Erkenntnisse, manchmal nur spannende Fragen. Auf dem Weg zu mehr Klarheit.

2 Gedanken zu „Ein Raum der Akzeptanz

  1. Lieber Sebastian,

    danke für diesen wunderbaren Ideenanstoß. Ich finde es immer wieder schön von dir und deinen Gedanken zu lesen, denn sie regen oft auch mich an, über Dinge nachzudenken, denen ich normalerweise nicht wirklich viel Beachtung schenke. Die Story mit dem Etwas im Dunkeln, das ihr teilen solltet, hat mich irgendwie berührt. Es ist so verblüffend zu sehen, wie wir uns schämen, still und heimlich, für Dinge die wir (heimlich) tun – und dann plötzlich zu erkennen: „Moment, wollt ihr mir gerade weiß machen, dass ihr das nicht total krank findet? Dass ihr mich jetzt nicht ablehnen, oder ausschließen oder für komplett durchgeknallt und krank halten werdet?“ Bei meinem Blog merke ich zum Beispiel dass ich mehr darauf fokussiere, dass google mich findet. SEO lässt grüßen. Dadurch schreibe ich also nicht ganz frei. Wenn ich dann deinen super authentischen Blogbeitrag lese oder den einer Freundin (lifeofpeaks.de), die auch einfach frei „nach Schnauze“ aber so wunderbar ehrlich schreibt, dann merke ich dass es was mit mir macht. Und da ist etwas, was ich gerne im Dunkeln verstecke. Ich merke dass ich mich nicht ganz authentisch zeige…sondern eher dem Leser helfen möchte für sich etwas mitzunehmen (aka Tipps geben). Zum Beispiel gebe ich ungern zu, dass ich mich ganz schnell verloren fühle. Wenn Dinge gut laufen, freue ich mich wie ein kleines Kind – aber dann kommt immer so eine Überlebensangst auf. Das mache ich dann meist mit mir selbst aus, weil ich glaube dass ich es eben alleine regeln muss. Da darf ich mir sicher noch mehr Authentizität mir selbst und anderen gegenüber erlauben…Schön, dass du deine Gedanken so offen teilst und du deinen Blog nun gestartet hast (deinen inneren Reichtum mit uns teilst :)). LG, Anna

    • Danke für deinen schönen Kommentar, Anna.
      Ja, ja, ja – zeig dich in deinen Blog-Artikeln.
      Ich glaube, dass genau die Kernarbeit ist: Hilf anderen Menschen sich selbst zu erkennen und selbst zu „heilen“ (was auch immer das sein mag und wie auch immer das aussehen mag), dadurch, dass sie in Kontakt mit ihrer Essenz kommen. Und ich stelle mir vor, dass das am direktesten geht, wenn du ihnen erlaubst deine Essenz zu sehen.

      Vielleicht hast du Lust mich einzuladen dabei zu sein, wenn deine Überlebensangst das nächste Mal kommt. Sei es indem du darüber schreibst oder indem du mich anrufst und mich einlädst zu dir zu kommen.
      Die Überlebensangst ist auch ein wahrer, echter Teil von dir. Ich hab die auch – vielleicht in einer anderen Geschmacksrichtung. Ich hab auch Lust meine Überlebensangst (und so viele andere Dinge) zu integrieren. Das zeigen, es irgendwie überleben es zu zeigen und dann vielleicht ein bisschen leichter damit um zu gehen.

      Ich *drück* dich 🙂

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