Mein Weg zur Gemeinschaft – Tag 0 – Bestandsaufnahme

Ich will in Gemeinschaft leben. Und eigentlich will ich das schon lange.
Tatsächlich lebe ich aber ein ziemlich individualisiertes Leben.

Mit „individualisiert“ meine ich:
Ich wohne gerade in einer WG, aber lebe für mich alleine.
Ich sitze zum arbeiten in einem Gemeinschaftsbüro, aber arbeite für meine eigenen Kunden.
Mein Geld liegt auf meinen persönlichen Konto und ist erstmal nur für meine Bedürfnisse vorgesehen – und um meinen persönlichen finanziellen Pflichten nachzugehen (Hashtag Steuern und so).

Meine Probleme, meine Bedürfnisse und meine Geschenke sind alle meins und meins alleine.

Das hat Qualitäten. Ich bin schnell und flexibel. Kann mit meinen ca. 10 Umzugskartons an Sachen jederzeit umziehen wohin ich will. Ich kann Hobbys, Modestil, Wohnort, moralische Vorstellung usw. von jetzt auf gleich ändern.

Aber es fühlt sich auch ein ganzes Stück weit leer und falsch an.
„Menschen sind Rudeltiere“ wird mir immer wieder gesagt. Für mich stimmt das auf jeden Fall.
Wobei ich auch meine introvertierten Zeiten habe, wo ich keine Lust auf Menschen habe, wo ich mich zurück ziehen will und nur mit mir sein. Trotzdem macht „Sebastian“, mache „ich“ nur Sinn im Kontakt mit anderen. Und ich glaube: Leben macht nur Sinn im Kontakt, im Austausch, im Gemeinsam sein.

Berlin ist seit 10 Jahren meine Basis und es hat mir viele wunderbare Möglichkeiten eröffnet, ich habe großartige Menschen kennengelernt und absurde und zauberhafte Erlebnisse gesammelt.
Einer meiner größten Schmerzen hier ist allerdings der große Aufwand wirkliche Freundschaften zu führen. Die weiten Distanzen und die große Unverbindlichkeit, die hier herrscht.
Ich will hier eigentlich schon lange wieder weg, aber gleichzeitig hab ich Sorge das Leben hier zu verpassen. Es passiert hier so viel, dass sich als bedeutungsträchtig verkauft.

Meine größten Sorgen vor dem Leben in Gemeinschaft

Mich selbst verlieren.

Ich von mir, dass meine inneren Sensoren sehr sensibel eingestellt sind, was Bedürfnisse anderer betreffen – ich bin mir nicht immer sicher, ob ich Bedürfnisse richtig lese, aber die „Lautstärke“ ist hoch.
Was meine eigenen Bedürfnisse betrifft, bin ich immer noch am lernen überhaupt darauf zu hören und das was ich höre ernst zu nehmen und für wichtig zu befinden.
Je mehr Menschen, desto mehr fremde Bedürfnisse, desto aufwändiger meine Bedürfnisse nicht zu überhören. Wobei, vielleicht ist es wie bei vielen Dingen: Bei einer genug hohen Anzahl wird es zum Hintergrundrauschen.

Genug bekommen.

In meinen Zellen steckt, dass für mich nicht genug da ist. Am stärksten fühle ich das beim Essen. Wenn ich mit Freund*innen im Restaurant esse und jemand will von meinem Teller essen, dann bekomme ich das mit viel Selbstkontrolle inzwischen hin (ist ja auch irgendwie schön zu teilen und probieren zu lassen), aber eigentlich ist in mir Terror. „Was, wenn die*der nicht aufhört mehr zu nehmen? Was, wenn ich am Ende noch Hunger haben und den Bissen gebraucht hätte…?“
In einer Gemeinschaft, wie ich sie mir vorstelle, wird zusammen gewirtschaftet – zumindest teilweise. Und wenn z. B. das Essen allen gehört, wie weiß ich dann, was davon für mich ist.
Tatsächlich kenne ich das vom Leben mit meiner Familie. Da war halt immer Essen da. Irgendwo zwischen Herd und Vorratskammer gabe es immer was zu essen.
Auch sonst musste ich nie Hungern – aber meine eigenen Einkäufe im WG-Leben oder auch die gemeinsam gekauften Lebensmitteln waren deutlich geringer bemessen.
Tatsächlich hat das Gefühl aber sicherlich nicht (nur) mit Essen zu tun, sondern einer Angst die ich ans Leben habe.

Genug geben.

Mein Selbstwert ist immer noch stark daran geknüpft wie sehr ich hilfreich und nützlich sein kann.
Irgendwann habe ich offensichtlich den Glaubenssatz aufgebaut, dass ich dann liebenswert bin, wenn ich nützlich bin.
In Gemeinschaft ist für mich die Frage, woran ich erkenne, dass ich willkommen, akzeptiert, geliebt werde.
Dabei das richtige Maß an geben hin zu bekommen und mich nicht daran abzuarbeiten wird interessant werden.

Meine Hoffnungen

Ein Zuhause finden.

Ich hab das große Geschenk, dass meine Eltern leben, zusammen sind und im Eigenheim leben. Dadurch habe ich sozial und geografisch immer ein Zuhause. Das ist ein Luxus, den viele meiner Freund*innen nicht (mehr) haben.
Aber das Zuhause fühlt sich nicht nach meinen Zuhause an. Ein Zuhause für mein erwachsenes Ich.

Mehr Ich sein.

Ich bin eigentlich schon ein mega toller Mensch. Ich vergesse das manchmal und bin hin und wieder überrascht, wenn ich mich daran erinnere oder daran erinnert werde. Und ich glaube, dass ich viele meiner Qualitäten nur so bisschen lebe.
Ich stelle mir vor, dass das Zusammenleben mit allerhand unterschiedlicher Menschen viel mehr Raum bietet unterschiedliche Geschenke zu teilen.
Vom Geschichtenerzählen über das Handwerken, Musizieren, Debattieren usw.
Und oft trauen sich meine Talente am liebsten in Gesellschaft raus. „Bock zu Singen?“ – eigentlich immer, aber alleine dann doch nicht oft.
„Ne Hand frei um was zu bauen?“ – super gerne, aber eigene Projekte hab ich selten.

Nächste Schritte

Ich weiß nicht wie der nächste Schritt aussieht.
Oder um meine eigene Lektion, die ich gestern eine Freundin vermittelt habe zu nutzen:
Ich weiß wie der nächste Schritt aussieht – aber so zu tun, als wüsste ich es nicht, hilft mir ihn zu vermeiden. Und weil ich Angst davor habe, aus der Vorstellung in die Realität zu schreiten, erzähle ich mir, dass ich es nicht weiß.

Gemeinschaften kennen lernen!

Alle gemeinschaften – sei es nahe WG oder große Kommune haben so ihren ganz eigenen Vibe, stelle ich mir vor. Vermutlich ist es gut ein paar davon kennen zu lernen um zu spüren, was mir wichtig ist, was für mich stimmig ist.

Um die Schritte klein zu halten, ist vermutlich eine gute Idee zu gucken welche Gemeinschaften im Umfeld von Berlin demnächst Tage der offenen Tür haben.

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Sebastian

Sebastian ist Forscher und Suchender. Hier schreibt er, was er auf seiner Reise durch diese Leben schon alles entdeckt hat. Manchmal sind es gute Erkenntnisse, manchmal nur spannende Fragen. Auf dem Weg zu mehr Klarheit.

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